Am 06. Juni fand der als bundesweit angekündigte Neonaziaufmarch “Tag der deutschen Zukunft” in Worms statt. Während diese jährlich stattfindende Demonstration vor einigen Jahren noch 1000 Neonazis erreichte, folgten diesmal nur 50 Personen dem Aufruf. Dagegen stand ein breites antifaschistisches Bündnis, dem es gelang 1000 Personen zu mobilisieren. Auch wir beteiligten uns an der #blocktddz Kampagne und unterstützen die Gegenproteste des “Block TddZ Worms” Bündnisses. Hier unser Bericht:
Die Anreise verlief unproblematisch, wenngleich Abstand halten in den engen Zügen kaum möglich schien. In Worms trafen die verschiedenen Anreisen des Gegenprotests dann zusammen und formierten sich vor dem Bahnhof. Gemeinsam und entschlossen starteten wir von dort eine Demonstration durch Worms, um für eine solidarische Zukunft ohne Nazis zu demonstrieren. Sichtlich überfordert griff die Polizei in der Nähe vom Bahnhofsvorplatz zu massiver Gewalt. Pfefferspray, Schlagstockeinsatz und Tritte wurden genutzt, um unsere Demonstration aufzuhalten. Unser Transparent zerriss und wir konnten mehrere Verletzungen beobachten. Auch wurden wir daran gehindert uns zu der bürgerlichen Kundgebung zu begeben. Die Polizei machte so schnell klar, dass sie für diesen Tag eine gewaltsame Eskalationsstrategie vorsah, um den 50 Neonazis ihre Demonstration zu ermöglichen und uns unser Demonstrationsrecht zu erschweren.
Trotzdem blieb unsere Demonstration entschlossen und suchte sich auf verschiedenen Wegen und in verschiedenen Gruppen einen Weg auf die Route, um den Neonaziaufmarsch zu stoppen. Die Polizei setzte immer wieder massive Gewalt ein, um dies zu verhindern. Aber auch abseits der Route aggierte die Polizei äußerst repressiv und zeigte so, dass es weniger um den Ort ging, als um die Inhalte, die unsere Demonstration vermittelte. Schließlich kesselte die Polizei etwa 500 Menschen ein und zwang sie auf engem Raum zusammen.
Das für die Kessel benötigte Polizeiaufgebot machte andernorts den Weg für Aktivist*innen frei, denen es so ermöglicht wurde, sich bis auf wenige Übergriffe durch die Polizei friedlich auf der Kreuzung zu Beginn der Neonaziroute zu versammeln. Die Route der Neonazis wurde geändert, so dass diese bereits nach 250 Metern ihr Ende fand und die Neonazis kehrten wieder zum Bahnhofsvorplatz zurück. Auf diesem versuchten sie noch eine Abschlusskundgebung, die jedoch durch Glocken, Pfeifen und Rufe weitestgehend übertönt wurde und ein passend einsetzender Regen veranlasste sie schließlich zur Abreise. Das Ende eines einst für die rechte Szene wichtigen Naziaufmarschs.
Die Kessel der Polizei blieben mit der Abreise der Neonazis bestehen – teils bis in den Abend. Die meisten bekamen Platzverweise und wurden erkennungsdienstlich behandelt. Die Polizei warf ihnen vor im Polizeikessel unmögliche Abstandsregeln nicht eingehalten zu haben, sowie einen kollektiven Landfriedensbruch begangen zu haben. Beides ist juristisch unhaltbar und ein weiteres Zeichen der Repression gegen antifaschistische Kräfte.
Wir ziehen dennoch ein positives Fazit aus dem Tag. Obwohl es wie immer ein paar Dinge gibt, die wir rückblickend anders gemacht hätten, konnten wir in Worms ein klares Zeichen gegen Rechts setzen und dem “Tag der deutschen Zukunft” ein Ende setzen. Wir waren entschlossen, aktiv und der letzte “Tag der deutschen Zukunft” wurde dank des Gegenprotestes ein Scheitern für die Nazis.
Wir müssen aber auch wieder einmal über Polizeigewalt sprechen, denn die Eskalation der Polizei forderte dutzende Verletzte, auch wenn sie in ihrer Pressemitteilung nichts mehr davon zu wissen vorgibt. Laut Sanitäter*innen wurden fast 50 Menschen behandelt und die Dunkelziffer an Verletzten wird weit höher liegen. Wir müssen uns daher zukünftig noch mehr überlegen, wie wir mit der staatlichen Gewalt umgehen wollen und können.
Trotzdem bleiben wir entschlossen, stehen zusammen gegen Staatliche Rrpression und werden den Nazis niemals die Straße überlassen. Informiert euch über lokale Aktivitäten, denn gemeinsam können wir die Nazis immer und überall wie in Worms stoppen.
Bilder und Videos der Demonstration findet ihr bei Sören Kohlhuber und der Kommunalinfo Mannheim
Falls ihr an dem Tag erkennungsdienstlich behandelt wurdet, beantragt in 6 Monaten die Löschung der Daten (siehe: datenschmutz.de)
Falls ihr im Kontext dieser Demonstration Post von Repressionsorganen erhaltet, wendet euch an die Rote Hilfe Mannheim/Heidelberg