Was ist seitdem passiert rund um das geplante kulturelle Zentrum?
Am 09. August 2019 gründeten wir uns als Alzeyer Verein unter dem Namen “Hausverein Sab Cat e.V.” mit dem Ziel, ein solidarisches Wohnprojekt als kulturellen Freiraum und als Ausgangsort sozialen und ökologischen Wirkens in Alzey zu schaffen. Dem derzeitigen Jugend- und Kulturangebot fehlte und fehlt es immer noch an Mitsprachemöglichkeiten und überhaupt an Angeboten der Selbstverwirklichung. Daneben führt der bundesweite explosionsartige Anstieg der Mieten auch in Alzey zu einer zunehmenden Verdrängung. Wir gründeten uns, um nicht nur für das fundamentale Grundrecht auf Wohnen einzutreten, sondern auch für das Recht auf Mitgestaltung der Stadt unabhängig von politischen Ämtern oder eigenen Geldmitteln. Nun, nach einem Jahr unseres Wirkens, ist es an der Zeit einen Zwischenstand zu verfassen:
Die ersten Monate waren geprägt von Bürokratie. Vereinsgründung, Eintragung in das Vereinsregister, Buchhaltung. Vorstandspflichten und viele weitere bürokratische Hürden prägten unsere Arbeit. Zugleich versuchten wir als kleiner Verein ohne viel Reichweite neue Menschen anzusprechen und so bereits eine Basis für unser Projekt zu schaffen und gerade als wir dachten, nun ginge es voran und wir könnten bald einen Freiraum in Alzey realisieren, brach die Pandemie aus. Plötzlich mussten wir vieles überdenken:
Wie halten wir unsere regelmäßigen Versammlungen ab?
Wie machen wir Öffentlichkeitsarbeit?
Ist es sinnvoll ein Zentrum während einer Pandemie zu eröffnen?
Die dadurch entstandene Zwangspause gab uns aber auch Zeit unsere Planung weiter auszuarbeiten und uns besonders auf unsere Vereinsstruktur zu konzentrieren, so dass wir heute mehr aktive Mitglieder haben als zu Beginn des Projekts und auf unserer letzten öffentlichen Veranstaltung über 20 interessierte Teilnehmende begrüßen durften. Auch unsere Finanzierungsmöglichkeiten konnten wir seitdem verbessern. Es fehlt heute also nur noch eines: das passende Haus.
Auf unserer letzten Mitgliederversammlung beschlossen wir daher, wieder und trotz der Pandemie die Hausbesichtigungen erneut aufzunehmen. Obwohl die gegenwärtige Lage für uns bedeutet, dass wir unsere Rolle als kulturelles Zentrum neu denken müssen und gegebenenfalls erst zu einem späteren Zeitpunkt öffentliche Veranstaltungen anbieten können, hat uns die Pandemie auch gelehrt, wie wichtig Solidarität ist, indem sie besonders Menschen in bereits prekären Lagen und in systemrelevanten Berufen schwer traf und weiterhin trifft und manche durch die Profitgier der Immobilienkonzerne in dieser Zeit der Krise sogar ihre Wohnung verloren.
Die aktuelle Pandemie bestärkt nur den Eindruck, wie wichtig Projekte wie unseres für sozialen Wohnraum sind, und wir hoffen daher noch im kommenden Jahr ein passendes Objekt in Alzey zu finden und mit den Kaufverhandlungen beginnen zu können.